Dawit Seto: Filega
Filega – was auf Amharisch „Suche“ oder „Streben“ bedeutet – ist ein Solo-Tanzstück, das sich mit den intimen Themen Migration und Erinnerung auseinandersetzt. Ausgehend von Gesprächen und gemeinsamen Momenten mit ostafrikanischen Migranten in Bern, Zürich und Lausanne verwandelt der Choreograf und Tänzer Dawit Seto Gobeze persönliche Geschichten in eine bewegende, meditative Körpersprache.
Das Solo bewegt sich an der Schwelle zwischen zwei Welten: den in Erinnerung gebliebenen Gesten der Heimat, die aus äthiopischen sozialen und rituellen Traditionen stammen, und der stillen Selbstbeobachtung des Lebens in der Diaspora. Repetitive, vom Atem geleitete Bewegungen der Hände und der Wirbelsäule erzählen davon, was wir mit uns tragen, was wir zurücklassen und wie der Körper zu einem eigenen Zuhause wird.
Ursprünglich als Trio konzipiert, wurde Filega als Solo neu interpretiert – eine intime, fast bekenntnishafte Form, die das Publikum in unmittelbare Nähe zum Tänzer einlädt, der zugleich Erzähler und Geschichte ist. Das Werk gründet sich auf gelebte Erfahrung und lässt gleichzeitig Raum für kollektive Resonanz.
Filega ist eine stille Meditation über Zugehörigkeit, Kultur und den Körper als Gefäss der Erinnerung.
Auftritte:
Freitag, 22.5.26, 16 Uhr, auf dem Neumarkt (Strassenkunst-Spot)
Samstag, 23.5.26, 16 Uhr, auf dem Königshof (Strassenkunst-Spot)
Tänzer:
Dawit Seto ist ein äthiopischer Tänzer, Choreograf und Performancekünstler mit Schwerpunkt zeitgenössischer Tanz, derzeit mit Arbeits- und Lebensmittelpunkt in der Schweiz. In seiner künstlerischen Praxis verbindet er Geschichten von Migration aus Ostafrika mit einem starken Engagement für Klimagerechtigkeit. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine körperliche, narrative Ausdruckskraft aus, die soziale Themen mit ästhetischer Tiefe vereint.
Seine Ausbildung umfasst eine Residenz in Choreografie an der Cité des Arts in Frankreich sowie ein Tanzdiplom der École des Sables in Senegal. Ein zentraler Bestandteil seiner Forschung ist die Auseinandersetzung mit äthiopischen Tanztraditionen, deren Bewegungsqualitäten er in zeitgenössische Körpersprachen übersetzt.
Als Mitbegründer von Contemporary Nights kuratiert er Plattformen für aufstrebende und etablierte Künstlerinnen und Künstler in Addis Abeba und Ostafrika. Zudem engagiert er sich bei Movement for Life, einem zeitgenössischen Tanzprogramm für Menschen mit körperlichen Behinderungen – ein Ausdruck seines Einsatzes für Inklusion und künstlerische Teilhabe.
Seine Arbeit umfasst Tanzperformances, Tanzfilme, Installationen, künstlerische Recherche und kuratorische Projekte. Mit seinem Schaffen eröffnet Dawit Räume für Dialog, Bewusstsein und kulturelle Verbundenheit – innerhalb des zeitgenössischen Tanzes und darüber hinaus.